Sophie Aigner



Falt- und Lehntattoo (2)



Ach Krummi

Ganz plötzlich, frag mich nicht warum,
war meine Lebenslinie krumm.
Diese Linie war aus Draht
und war einfach nicht mehr grad'.

Sie schaute aus der Hand hervor
und krümmte drahtig nach oben empor.
Nur mehr die Enden, die steckten noch fest
als kleines bißchen Lebenslinienrest.

Ich bog den Draht, die alte Form suchend
je länger ich bog, noch mehr Krummheit verbuchend.
Und wie ich so formte mit bestem Gewissen,
da ist mir der Draht von der Hand abgerissen.

Nun schrie ich, ich schrie, das ist ja klar,
denn nun war die Lebenslinie gar nicht mehr da.
(Nur lose in den Fingern meiner anderen Hand,
aber das hat ja wirklich keinen Bestand.)

„Ich bitt dich, Mutter, ich fühl mich so klein
setzt du mir eine neue ein?
Bieg eine in Form und leg sie mir an,
damit ich sie wieder sehen kann.“

Die Mutter, sie tat so und versuchte sich sehr
doch ihr gelang's nicht, ja, es war halt sehr schwer.
Es war endgültig, die Linie war futsch,
doch erschien noch ein letztes Mal dank meiner Mutsch:

'Ne Kamera nahm sie und Vollobjektiv,
sie sagte: „ach Kindchen, wir schaffen das (schnief...)
Ich leg Dir 'nen Draht auf die Hand, locker und lose
dort wo er einst lag, bevor er sich löste.“

Sie arrangierte das Licht, den Schatten und echt
es sah ziemlich gut aus, zumindest nicht schlecht.
Die Mutter, sie knipste, das Display erhellte,
die Linie war drauf, wenn auch nur als gestellte.

Die Fotos, kein Plan, wo die heute sind,
ich war ja auch noch ein ganz kleines Kind.
Und später gab's Zeiten, da verlor ich die Knochen,
sind einfach so purzelnd mir 'rausgebrochen.

Ja, und einmal, das war voll dumm,
war meine Lebenslinie krumm.
Oh, du, Krummi, hab Dich lieb,
bist ja nur ein ein Nächtedieb.


Oie, die beiden



Die lieben Beiden



Von einer Ausstellung habe ich noch nie geträumt, dafür träume ich immer mal wieder davon, auf einem öffentlichen Klo zu performen. Also das Klo steht umringt von weiteren Klos, und ich verbiege meinen Körper, um meinen nackten Po nicht zu zeigen. Als ich ein Kind war, da habe ich mir einmal in der Schule alle Klamotten ausgezogen, mich auf den Tisch gestellt und getanzt. Später mußte ich zur Direktorin, und ich habe eine Verwarnung bekommen. Vielleicht sollte ich von nun an die Direktorin mit in die öffentlichen Klos nehmen, und sobald ich meinen Körper verbiege, könnte sie meinen nackten Po abfeiern.

Alright, it means something to me




Die liebe Pforte



Ein paar Tage, nachdem mein Freund sich von mir getrennt hatte, fand ich ein Haar von ihm auf dem Bett. Ich ließ es liegen und schlief daneben, lange Zeit machte ich das so. In eine Tüte habe ich das Stück Nabelschnur gesteckt, das abgeschnitten wurde, bei der Geburt meines Babys. Ich hab das immer noch. Zweimal war ich dabei, als sich meine Mutter den Oberschenkel brach. Das nur nebenbei, aber ich glaube, ich hätte lieber einen Knochen von ihr statt Asche, wenn sie tot ist.

Socke



An dem Tag, als ich mich von Mariechen verabschiedete, schenkten mir ihre Kinder einen Ziegelstein, den sie aus der Mauer des Hauses herausgerissen hatten. Zuhause angekommen, holte ich das Stempelkissen hervor, drückte es gegen meine Stirn und legte meinen Kopf auf den Stein. Lange Zeit ließ ich ihn da liegen. Jahre später brachte ich den Stein Mariechen zurück, da waren ihre Kinder schon von Zuhause ausgezogen.

Stirnsteinlied



Falt- und Lehntattoos



Geilwut



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Die Frau mit den vier Beinen schafft es auf elegante Weise, alle ihre Beine übereinander zu schlagen. Die seidenmatten Strumpfhosen, die sie immer trägt, fertigt ein Schneider aus Paris an. Dies kann er nur, weil er selber drei Arme und drei Hände hat. Mit einer Hand hält der Schneider dann die Strumpfhose, mit der anderen den Faden, mit der dritten telefoniert er, nämlich mit seiner Frau mit den zwei Köpfen. Diese weiß, wie er die Strumpfhose zu nähen hat. Der Schneider kann sich den Trick nicht merken, denn er besitzt leider nur ein halbes Hirn. Die Frau mit den vier Beinen dagegen besitzt zwar ein ganzes Hirn, aber nur einen Arm. Das macht es mühsam, die Strumpfhosen anzuziehen, die sie aber braucht, um das Fernsehinterview zu führen. Irgendein Freak soll da heute wohl kommen. Manchmal hasst die Frau ihren Job.

Falt- und Lehntattoo (Glas)



Demand sagt, das wird schwer



IchhabekeinenZweifelwenndumirsagstdaßdukeinenZweifelhast



Dies ist nicht mein Thema