Sophie Aigner



...Dass Lesen und Verstehen durch eine »longue durée«, durch Gedächtnis und Erinnerung definiert sind, verdeutlich Sophie Aigner mit ihrer Arbeit IchhabekeinenZweifelwenndumirsagstdaßdukeinenZweifelhast (2013), die in Auszügen bereits auf den vier Covern dieser Ausgabe zu sehen ist. Es ist ein langer Satz und in der eigentlichen künstlerischen Publikation wird jedem Buchstaben eine Seite gewidmet. Doch verhandelt diese Arbeit mehr als nur einen Satz. In der Überlagerung von Symbol (Buchstabe) und Geste im Bild (»Victory«) bekommen wir es mit einem »Rauschen« zu tun, das eine eigentümliche Lese- und Seherfahrung erzeugt. Die Rezeption dieser Arbeit wird zu einer reflexiven Erfahrung, wenn wir innehalten, um den jeweils vorherigen Buchstaben wieder in Erinnerung zu rufen – denn erst dann ergibt sich der Sinn des Satzes. Doch das Lesen will in Sehen umkippen, dann, wenn wir den Vordergrund (Buchstabe) verlassen, um im Hintergrund (Bild) versinken zu wollen. Was ist hier zentral, was peripher? Vorn oder hinten? Symbol oder Bild?

Eva Frey und Frederik Rettberg
in: DieNadel - Peripherie, Ausgabe Nr 2, 2013
ISSN: 2195-9943
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