Sophie Aigner



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Die Künstlerin im selbstgestrickten Pullover präsentiert der Kamera die auf dem Kopf stehende Fotografie einer Frau und bricht dabei immer wieder unvermittelt in hysterisches Lachen aus. In einem anderen Loop hantiert sie mit einem Motherboard, der vom Gehäuse befreiten Hauptplatine eines Computers. Ein Sprecher aus dem Off zitiert in fragmentarisierten Halbsätzen aus einer Versuchsanordnung, offenbar aus dem Bereich der Verhaltensforschung oder Neurobiologie. Sophie Aigner äußert sich zu ihrer künstlerischen Fragestellung folgendermaßen: „Inwiefern schaffen neue Techniken hier andere Handlungsoptionen, oder werden diese vielmehr im Vorfeld bereits nivelliert? Was dringt in unser tägliches Bewusstsein vor und nimmt tatsächlich Einfluss auf unsere Entscheidungen?
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Fragen nach individueller Autonomie und Selbstbehauptung. Sie stellt ein kämpferisches, wütendes Handeln vor dem Hintergrund dynamischer gesellschaftlicher Entwicklungen zur Diskussion. Dieses Bewusstsein für die tägliche Mühsal und das mögliche Scheitern spiegelt sich in wiederholenden, scheinbar sinnlosen Handlungen. Die aus der Musik, aber auch aus Film und Fotografie bekannten Techniken des Remix und des Sampelns verwendet Sophie Aigner dabei präzise und virtuos. Das Individuum muss sich täglich neue, clevere Lösungen überlegen, um den Anforderungen einer auf Leistung, Tempo, Funktionieren und Gefallen angelegten Gesellschaftsnorm bestehen zu können. Und über allem steht die Frage: Hat der Mensch überhaupt einen freien Willen, oder sind seine Handlungen weitestegehend neuronal oder biochemisch determiniert?
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Text: Nicole Büsing, Heiko Klass
in Index 14, catalogue Berenberg Preis für junge Kunst, 2014